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Ambulanter Hospizdienst Rottweil
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Presse

Sterben lernen? „Sterben, Tod und Trauer“ Rückblich auf den 21.Rottweiler Hospiztag

Kein Unbekannter war Prof. Dr. Knud-Eike Buchmann, vor gut vier Jahren hatte er bereits den Zusammenhang zwischen Leben, Sterben und Tod eindringlich dargelegt.

Die Welt verändert sich extrem schnell, und so konnte er neue Erkenntnisse über das Thema vor Augen stellen. Nicht über den Tod, der bleibt immer gleich rätselhaft und letztlich unzugänglich, keine Wissenschaft kann ihn je erklären, nur Teilerkenntnisse sind möglich. Das Umgehen mit dem Sterben jedoch ist erweiterbar: sich dem Tod stellen, ihn ins Leben hineinnehmen, ihn nicht tabuisieren, das ist für Jedermann und gerade auch für Sterbebegleiter ein lebenslanges Projekt.

Buchmann stellte als zentralen Begriff die Angst heraus. Sie ist immer die Angst vor dem Tod, und sie kann verschieden erlebt werden. Man kann in ihr ertrinken, sie verdrängen, sie bearbeiten und sie ist aber auch als  Chance zu sehen. Der Zen-Buddhismus sagt: „Geh dorthin, wo deine Angst ist und umarme sie“. Dort kann ich lernen sie auszuhalten, sie zu akzeptieren. Letztlich ist das eine Einstellungsfrage.

Der Begleitende weiß, dass in aller Regel das Alleinsein nicht gut ist für den Sterbenden, es gilt für ihn zunächst einfach nur das zu sein und – wenn das Sprechen nicht mehr möglich ist – die menschliche Nähe spürbar werden zu lassen oder nur schweigend dazusitzen. Nicht Mitleid sondern Mitgefühl ist einzubringen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Trost. Ungetröstet ist der Mensch sehr verletzlich, auch hier gilt es, die Persönlichkeit des Sterbenden zu beachten. Vertrauen ist gefragt. Den Trost nicht von oben über  dem Sterbenden ausgießen, sondern ihn achtsam und auf Augenhöhe spenden. Buchmann gab Zeit zu gegenseitigem Austausch in Kleingruppen, zweimal war Gelegenheit nachzufragen.

Ursula Switek, die Koordinatorin des Rottweiler Hospizdienstes, beschloss die Veranstaltung mit einem irischen Segen, der das Thema  in all seinen  Facetten umschloss.     

                                                                                                                                                                              Autorin Renate Greve

Die Handouts zum 21. Hospiztag findenSsie unter "Veranstaltungen" auf dieser Internetseite. Prof. Dr. Knut-Eike Buchmann hat sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt, die Rechte bleiben natürlich bei ihm.

 

Bericht vom 20jährigen Jubiläum des Ambulanten Hospizdienstes Rottweil
im Gemeindezentrum Auferstehung Christi
 

Bei der Ökumenischen Eröffnungsandacht am 16.09.2017 wurden bereits die Akzente gesetzt, die den ganzen Tag über in verschiedensten Formen zum Ausdruck kamen.

Diakon Dr. Paulus und Pfarrer Honold stellten in Liturgie und Predigt die Räume vor Augen, in denen Sterbebegleitung gelingen kann. Nicht so sehr auf das Reden käme es dabei an, sondern eher auf das Hören und Schweigen. Prälat Martin Klumpp, Begründer des Stuttgarter Hospizes, eröffnete in seiner Festansprache sodann den weiten Horizont seiner eigenen Erfahrungen, aber auch den allgemeiner Erkenntnisse, die Gewährsleute aus Forschung, Literatur und Theologie gewonnen hätten. Das Sterben als dichten Prozess psychischen und physischen Erlebens, der Neuentdeckung eines "Kosmos von Gefühlen inmitten einer großen Schwachheit" wahrnehmen und wissen, "wie Sterben geht", nämlich: nichts mehr tun müssen. Das legte er auch den anwesenden Sterbebegleiterinnen ans Herz: Einfach da sein. Das Hospiz sei so ein Erfahrungsort des Sterbens, zugleich aber auch eine Schule des Lebens. Alle Mitglieder der Hospizgruppe verlasen dann kurze Statements über das, was für sie die Hospizarbeit ausmacht. Zusammengefasst in den Worten: da sein - zuhören - loslassen - schweigen. Die Mädchenkantorei bildete mit fünf Liedern den festlichen Abschluss.

Zuvor hatten Landrat Dr. Michel und Oberbürgermeister Broß die Verdienste des Rottweiler Ambulanten Hospizes gewürdigt. Ursula Deiber von der Rottweiler Sitzwache sprach von der ergänzenden Funktion ihrer Arbeit, aber auch von Schwierigkeiten bei der Abgrenzung und Koordination ihres gemeinsamen Anliegens. Die Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand e.V. (IGSL) ehrte die geleistete Arbeit die Jahre hindurch mit einem ansehnlichen Scheck.

Ursula Switek - Leiterin der Rottweiler Hospizgruppe - stellte immer wieder die Zusammenhänge zwischen den Rednern und dem Thema her. Dieses wurde in vielerlei Gestalt im nachmittäglichen Markt der Möglichkeiten sichtbar, der den Hintergrund bildete für Einzelthemen wie "Gelingt gutes Sterben zu Hause"?, oder "Trauern Kinder anders"?,  und "Bestattungskultur im Wandel".

Ein weiterer Höhepunkt bot sich in einer Textcollage "Von Wiege und Bahre" gelesen von Anne Mokinski und mit der Gitarre umspielt von Rainer Demattio. Noch einmal wurden in anrührender Weise alle angesprochenen Themenkreise aufgerufen: Geburt und Tod sind ineinander verwoben, es ist gefährlich, den Tod aus dem Leben zu verbannen.

Im Kirchenraum sind zwei Bildprojekte zu sehen: Materialbilder aus Flugsamen von Angela Flaig, sowie 64 Objekte "Was Menschen als ihr Erbe betrachten", zusammengestellt von Silvia Häfele.

Autorin Renate Greve

 

Im Rahmen des 20-jährigen Hospizjubiläums des Ambulanten Hospizdienstes Rottweil fand eine weitere Veranstaltung im Oktober zusammen mit der Sitzwache Rottweil e.V. statt, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Beide ehrenamtlich tätige Gruppen betreuen Menschen in der letzten Lebensphase und luden gemeinsam zu einem Theater- und Chanson-Programm am Sonntag, 15.10.2017 um 17 Uhr,  in den Musikpavillon der Konrad-Witz-Schule ein. Petra Afonin "Es ist nie genug." Begleiten / sterben / zurückbleiben. Jasagen zum Leben, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Trotz des schweren Themas bietet das Stück viel Raum für Utopie und Träume und sogar für kabarettistisch-heitere Momente. Auch hierzu ergeht herzliche Einladung.